Feuriger Perlmuttfalter (Argynnis adippe (Denis & Schiffermüller, 1775))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Vorderflügellänge 28–30 mm.

Flügeloberseiten orange mit schwarzen Flecken; vor dem Außenrand eine Reihe Dreiecke, die mit ihren Spitzen nach Innen zeigen; Außenrand dunkel; Fransen schwarz-weiß gescheckt.

Flügelunterseiten orange; Vorderflügel mit schwarzen Flecken; Hinterflügel mit Perlmuttflecken an der Basis, einer Reihe Perlmuttflecke in der Flügelmitte sowie einer weiteren vor dem Außenrand; zwischen den beiden letzteren eine unregelmäßige Reihe kleiner, dunkel umrandeter Perlmuttflecke.

Ähnliche Arten: Der sehr ähnliche Mittlere Perlmuttfalter (Argynnis niobe) auf den Unterseiten der Hinterflügel anstatt der Perlmuttflecken mit hellgelben Flecken; an der Basis am mittleren der drei kleinen Flecke stets mit einem vierten Fleck, der einen kleinen schwarzen Punkt aufweisen kann (der aber auch fehlen kann!) und die hellen Flecke vor dem Außenrand durchgehend rotbraun gerandet.
Die dunkel umrandete Reihe Perlmuttflecke beim Großen Perlmuttfalter (Argynnis aglaja) fehlend oder so dicht an der mittleren Reihe Perlmuttflecke liegend, dass zwischen dieser und der äußeren Perlmuttfleckenreihe ein oranges Band ohne Flecke entsteht.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): besonders geschützt
Rote Liste Sachsen (Reinhardt 2007): gefährdet
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz et al. 2012): gefährdet

Merkmale

Die Männchen besitzen auf der Vorderflügeloberseite längs der Adern Cu1 und Cu2 deutliche dunkle Duftschuppenbänder.

Verbreitung

Das Areal des Feurigen Perlmuttfalters erstreckt sich von Nordafrika bis zum 66. nördlichen Breitengrad über Europa sowie in die gemäßigten Klimabereiche Asiens, sodass die Art auch in den südlichen Gebieten Fennoskandiens sowie in Wales und in England verbreitet ist. Auf den Mittelmeerinseln mit Ausnahme von Sizilien fehlt die Art (Ebert & Rennwald 1993; Nuß, 1998).
In Sachsen liegen die Verbreitungsschwerpunkte des Feurigen Perlmuttfalters in Nordost-Sachsen, punktuell im westlichen Erzgebirge sowie in der Dübener und Königsbrücker Heide. Aus Westsachsen, der östlichen Oberlausitz, der Großenhainer Pflege und dem Erzgebirgsvorland stammen nur ältere oder historische Meldungen (Reinhardt et al. 2007).

Lebensweise

Die Flugzeit der einzigen jährlichen Generation des Feurigen Perlmuttfalters überschneidet sich mit der des Großen Perlmuttfalters (Argynnis aglaja) (Ebert & Rennwald 1993, Reinhardt et al. 2007). Wie bei dieser fliegen die Falter in Sachsen ab der dritten Junidekade bis Ende August mit einem Höhepunkt Anfang Juli (Reinhardt et al. 2007).
Die Falter bevorzugen violett bis rot blühende Nektarpflanzen wie beispielsweise verschiedenen Kratzdistel-Arten (Cirsium spec.), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) Sand-Thymian (Thymus serpyllum) und Sommerflieder (Buddleja davidii) (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007). Außerdem saugen die Falter an Brombeere (Rubus fructicosus agg.) (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007).
Die Eiablage findet in der Nähe der Wirtspflanze der Larven an holzigen Pflanzenstengeln statt, wo das Ei überwintern kann (Warren 1995; Settele et al. 2009). Als Futterpflanzen der Larven gelten Hunds-Veilchen (Viola canina), Rauhaariges Veilchen (Viola hirta), Wohlriechendes Veilchen (Viola oderata), Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor) und Hain-Veilchen (Viola riviniana) (Ebert & Rennwald 1993; Warren 1995; Reinhardt et al. 2007). Die Larven sind tagaktiv und zeigen eine große Sonnenliebe (Ebert & Rennwald 1993). Im erwachsenen Zustand besitzt die bestachelte Larve eine gräuliche Grundfarbe, wobei sowohl die schwarze Rückenlinie zwischen den Segmenten in einzelne Binden als auch die hellen Seitenlinien unterbrochen sind (Weidemann 1988; Settele et al. 2009). In der Krautschicht findet die Verpuppung als bräunliche eher glatte Stürzpuppe mit kleinen Perlmuttflecken statt (Weidemann 1988; Settele et al. 2009).

Lebensräume

Oft treten der Feurige und Große Perlmuttfalter (Argynnis aglaja) zusammen auf (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007). In Wäldern nutzt der Feurige Perlmuttfalter hochstaudenreiche Säume, Ränder, Lichtungen, Schlagfluren und Wege (Ebert & Rennwald 1993; Settele et al. 2009). Regional dienen im Offenland ebenfalls waldnahe Magerrasen, Dämme, Böschungen, Ränder von Moorkomplexen sowie frische und feuchte Talwiesen als Lebensraum (Ebert & Rennwald 1993; Settele et al. 2009). Die Lebensräume der Larven sind voll besonnt und weisen eine eher lückige und kurze Vegetation auf (Ebert & Rennwald 1993; Warren 1995).

Bestandssituation

Im Vergleich zum Großen Perlmuttfalter (Argynnis aglaja) ist der Feurige Perlmuttfalter in Sachsen wesentlich seltener und weniger weit verbreitet, wobei die Art starken regionalen und zeitlichen Bestandsschwankungen unterliegt (Reinhardt et al. 2007; Settele et al. 2009). Aufgrund der unzureichenden Kenntnis über die Lebensraumansprüche der Falter und Larven lassen sich keine spezifischen Gefährdungsfaktoren ableiten, sodass für diese Art noch ein hoher Forschungsbedarf existiert (Ebert & Rennwald 1993; Reinhardt et al. 2007). Allgemeine Gefährdungsfaktoren wie die Zerstörung von geeigneten Lebensräumen und der Abdrift von Chemikalien aus der Landwirtschaft spielen auch für den Feurigen Perlmuttfalter eine Rolle (Reinhardt et al. 2007). Zur Erhaltung geeigneter Lebensräume für diese Art dient die Neuschaffung magerer Waldlichtungen (Settele et al. 2009).

Literatur

  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1: Tagfalter I. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 552 S.
  • Reinhardt, R., Sbieschne, H., Settele, J., Fischer, U. & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. In: Klausnitzer, B. & R. Reinhardt (Hrsg.): Beiträge zur Insektenfauna Sachsens. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 11, Dresden. 695 S.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 1999: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R. & G. Hermann (Hrsg.) 2009: Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands. 2. Aufl. – Ulmer, Stuttgart. 256 S.
  • Warren, M. S. 1995: Managing local microclimates for the high brown fritillary, Argynnis adippe. In: Pullin A S. (Hrsg.) Ecology and conservation of butterflies. Chapman & Hall, London: 198–210
  • Weidemann, H.-J. 1988: Tagfalter. Band 2 Biologie - Ökologie - Biotopschutz. – Neumann-Neudamm, Melsungen. 372 S.

Links

Autor(-en): Susanne Kurze, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 06.10.2017

Männchen des Feurigen Perlmuttfalters an einer Kratzdistel, Hochhalde Trages, August 2014
(© Bernd Garbe)


Weibchen des Feurigen Perlmuttfalters in der Oberlausitz, Heidehäuser bei Rietschen am 28.07.2012
(© Eva-Maria Bäßler)


Argynnis adippe in Sonneberg / Thüringen, Juli 2016
(© Michael Happ)


Argynnis adippe in Sonneberg / Thüringen, Juli 2016
(© Michael Happ)


Feuriger Perlmuttfalter in der Oberlausitz, Heidehäuser bei Rietschen am 28.07.2012
(© Eva-Maria Bäßler)
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