Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous (Bergsträsser, 1779))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Vorderflügellänge 16–18 mm.

Flügeloberseiten der Männchen dunkelblau, mit kleinen unscharfen Flecken und breitem, braunschwarzem Rand, die der Weibchen einfarbig dunkelbraun; beide Geschlechter mit weißen Fransen, die vor den Adern braun durchzogen sind.

Flügelunterseiten braun mit je einer Reihe hell gerandeter schwarzer Punkte, einem stumpfwinkligen, schwarzen, hell umrandetem Makel in der Flügelmitte; Randflecke fehlen.

Ähnliche Arten: Im gleichen Lebensraum kommt auch Phengaris teleius vor, der jedoch helle Flügelunterseiten und dort vor den Flügelrändern eine weitere, undeutliche Punktreihe aufweist. Die ebenfalls ähnlichen Arten Phengaris arion wurden seit 1976 und Phengaris alcon seit 1986 nicht mehr in Sachsen nachgewiesen.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): besonders geschützt
Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): streng geschützt
FFH-Richtlinie: Anhang II
FFH-Richtlinie: Anhang IV
Berner Konvention: Anhang II
Rote Liste Sachsen (Reinhardt 2007): ungefährdet
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz et al. 2012): Vorwarnliste

Merkmale

Verbreitung

Nordspanien, Ostfrankreich, Mitteleuropa - die nördliche Arealgrenze verläuft bei Berlin - östlich bis zum Kaukasus, dem Ural und dem Altai sowie in der Türkei (Tolman & Lewington 1998).

Lebensweise

Der Lebenszyklus von P. nausithous ist eng an das Vorkommen und die Entwicklung des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) gebunden. Dieser ist Larvennahrungspflanze und Hauptnektarquelle der Falter zugleich. Pro Jahr entwickelt sich eine Generation, deren Falter von Anfang Juli bis Ende August fliegen. Die Weibchen legen die Eier in die gerade aufblühenden Blütenstände. Dort leben die Larven von Ende Juli bis Anfang September monophag bis zum vierten Stadium zunächst in den Blüten und in den sich entwickelnden Früchten, verlassen dann die Pflanze und werden insbesondere von den Ameisenarten Myrmica rubra und Myrmica scabrinodis in deren Ameisennest transportiert. Dort überwintern die Larven, gelegentlich auch über zwei Winter, verpuppen sich im Februar und die Falter schlüpfen im Hochsommer nahe des Ausgangs des Ameisennestes. Die Larven sind obligatorisch und parasitär an die Ameisen gebunden.

Lebensräume

P. nausithous bevorzugt Randstrukturen von offenen Flussauen, frischen und feuchten Wiesen an Flüssen und kleineren Bachläufen mit Beständen des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis) und Nestern der Wirtsameisen.

Bestandssituation

In ganz Sachsen lokal kleinräumig vorhanden und derzeit laut Roter Liste nicht gefährdet. Der Erhaltungszustand für Sachsen wurde für den Berichtszeitraum 2001–2006 günstig bewertet (Hettwer et al. 2009), in der Folge war jedoch eine Verschlechterung zu beobachten und der Erhaltungszustand für den Berichtszeitraum 2007–2012 schließlich mit unzureichend bewertet (Hettwer & Zöphel 2014). Da die einzelnen Populationen räumlich sehr begrenzt sind, sind sie bereits für kleinräumige Störungen anfällig.
Eine zeitige Mahd im Frühjahr kann erfolgen, wenn danach bis zum Flugbeginn der Große Wiesenknopf noch Blütenstände für die Eiablage ausbilden kann. Dieser benötigt nach der Mahd auf nährstoffreicheren Standorten drei Wochen bis zur Blüte, auf nährstoffärmeren Standorten deutlich länger. Eine späte Mahd kann erfolgen, nachdem die Larven die Fruchtstände verlassen haben und von den Ameisen aufgenommen wurden. Zu beachten ist, dass diese Zeitpunkte jahrweise und standortbedingt variieren. Eine mehrjährige Überwachung der zeitlichen Entwicklung einer Population kann helfen, geeignete Mahdtermine besser abzuschätzen, doch beeinflussen jahrweise variierende Witterungsverläufe die phänologischen Erscheinungszeiten. Eine zeitlich gestaffelte Mahd kann negative Auswirkungen einer Komplettmahd in Kombination mit einem ungünstigen Mahdtermin abmildern, da zeitlich differenzierte Entwicklungszustände der Vegetation geschaffen werden.
Die Wiesenmahd darf nicht mit schweren Maschinen erfolgen, da diese die Ameisennester schädigen. Gleiches gilt für Walzen und Schleppen; beides sollte wenn notwendig nur in mehrjährigen Abständen und dann auch nur auf Teilflächen durchgeführt werden. Einige Autoren mahnen zur Vorsicht, Lebensräume des Dunklen Wiesenknopfameisenbläulings zu beweiden, da Intensität und Zeitpunkt schwieriger gesteuert werden können (vgl. Bräu et al. 2013). 

Literatur

  • Bräu, M., R. Bolz, H. Kolbeck, A. Nunner, J. Voith & W. Wolf 2013: Tagfalter in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 781 S.
  • Ebert, G. 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2: Tagfalter 2. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 535 S.
  • Hettwer, C., S. Malt, D. Schulz, R. Warnke-Grüttner & U. Zöphel 2009: Berichtspflichten zur europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Sachsen. – Naturschutzarbeit in Sachsen 51: 36-59.
  • Hettwer, C. & U. Zöphel 2014: Zustand der Arten und Lebensraumtypen zur FFH-Richtlinie in Sachsen für 2007-2012. Kurzdarstellung. –  Naturschutzarbeit in Sachsen 56: 4–11.
  • Johst, K., M. Drechsler, J. Thomas & J. Settele 2006: Influence of mowing on the persistence of two endangered large blue butterfly species. – Journal of Applied Ecology 43: 333–342.
  • Reinhardt, R. 2010: Die Ameisen-Bläulinge Maculinea nausithous (Bergsträsser, 1779) und M. teleius (Bergsträsser, 1779) – faunistische und populationsdynamische Analysen (Lepidoptera, Lycaenidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden 54 (3–4): 85–94, Titelbild, 4. Umschlagseite.
  • Reinhardt, R. & M. Hausotte 2011: Historische Fundangaben von Maculinea teleius (Bergsträsser, 1779) und Maculinea nausithous (Bergsträsser, 1779) im Raum Leipzig. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden 55 (4): 243–246.
  • Reinhardt, R. & H. Kretschmer 2011: Nachtrag zur Arbeit: Die Ameisen-Bläulinge Maculinea nausithous (Bergsträsser, 1779) und M. teleius (Bergsträsser, 1779) – faunistische und populationsdynamische Analysen (Lepidoptera, Lycaenidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden 55 (1): 66.    
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 11: 695 S.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von H. Melzer).
  • Voigt, H. 2001: Zum Vorkommen von Maculinea nausithous und Maculinea teleius (Lep., Lycaenidae) im Stadtgebiet von Dresden (Sachsen), zwei Schmetterlingsarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie. – Entomologische Nachrichten und Berichte 45 (3/4): 165–170.

Links

Autor(-en): Katharina Weinberg, Matthias Nuß, Tommy Kästner. Letzte Änderung am 10.01.2018

Männchen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings am 26.7.2010 in Radebeul-Lindenau auf einer Wiese mit viel Wiesenknopf
(© Eva-Maria Bäßler)


Weibchen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings am 16.8.2011 in Radebeul-Lindenau
(© Eva-Maria Bäßler)


Flügelunterseiten des Männchens des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings in Radebeul-Lindenau am 26.7.2010
(© Eva-Maria Bäßler)


Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf der Larven Wirtspflanze Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) bei Dresden-Weißig, August 2013
(© Susanne Kurze)


Am 04.08.2003 konnte ich auf einer Feuchtwiese bei Ulberndorf 10 Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläulinge beobachten. Im Bild eine Paarung.
(© Stefan Höhnel)
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