Resedaweißling (Pontia daplidice (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Vorderflügellänge 18–23 mm. 

Flügel weiß.

Flügeloberseiten mit schwarzem Fleckenmuster.

Flügelunterseiten mit olivgrünem Fleckenmuster.

Ähnliche Art: Das Weibchen des Aurorafalters (Anthocharis cardamines)) besitzt oberseits in den Vorderflügelspitzen keine weißen Flecken und unterseits ist die olivgrüne Zeichnung des Hinterflügels durch viele kleine weiße Punkte unterbrochen.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): Nicht besonders geschützt
Rote Liste Sachsen (Reinhardt 2007): ungefährdet
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz et al. 2012): ungefährdet

Merkmale

Flügel mit weißer Grundfarbe. Oberseits die Vorderflügel mit grauem bis schwarzem Fleckenmuster in den Flügelspitzen sowie einem ebenso gefärbten Mittelfleck, der von einer feinen weißen Linie durchzogen ist. Sexualdimorphismus: Weibchen mit ausgedehnterem dunklen Fleckenmuster und mehr gerundeten Vorderflügelspitzen. Saisondimorphismus: Frühjahrsgeneration mit blasserem Fleckenmuster auf den Oberseiten, die Sommergeneration mit kontrastreicherem schwarzen Muster. Fleckenmuster der Flügelunterseiten olivgrün.
In enzym-elektrophoretischen Untersuchungen wurden Unterschiede im Allelmuster zwischen west- und osteuropäischen Resedaweißlingen gefunden, die Geiger & Scholl (1982) sowie Geiger et al. (1988) als unterschiedliche Arten interpretieren. Zwischen beiden gibt es eine Hybridzone in Norditalien (Porter et al. 1997). Für Tiere aus Deutschland erfolgten bislang keine solchen Untersuchungen. Wagener (1988) schlägt für die westliche Linie den Namen P. daplidice sowie für die östliche P. edusa vor. Ein sichere morphologische Unterscheidung dieser Taxa ist bislang nicht gelungen. Im DNA-Barcode wurden genetische Distanzen zwischen spanischen, ostmediterranen und bayerischen Tieren von 8,1% gefunden (Hausmann et al. 2011). Im Allgemeinen zeigen Distanzen von 2 bis 3% bereits Artverschiedenheit an. Ob die vergleichsweise große genetische Variabilität beim Resedaweißling mit Artverschiedenheit einhergeht, muss noch untersucht werden. Eine detaillierte molekulare Analyse, kombiniert mit geographischen Informationen sowie die Klärung der Nomenklatur nach den Internationalen Regeln der Zoologischen Nomenklatur stehen noch aus.

Verbreitung

Der Resedaweißling kommt von den Kanarischen Inseln sowie den atlantischen Küsten Marokkos, der Iberischen Halbinsel und Frankreich östlich bis Mittelasien und China vor. Die Nord-Süd-Ausdehnung erstreckt sich von Nordafrika bis Mitteleuropa. Er ist die einzige Art der Gattung Pontia, die in Sachsen vorkommt.

Lebensweise

Zur Lebensweise des Resedaweißlings liegen aus Sachsen genauere Beobachtungen von Kurze et al. (2006) sowie Bauer (2008) vor.
Die Falter saugen Nektar an Asteraceae (Achillea, Arctium tomentosum, Matricaria recutita, Taraxacum), Brassicaceae (Berteroa incana) und Fabaceae (Trifolium pratense). Sie nutzen u.a. Achillea als Fluchtpflanzen, welche die Falter aufsuchen, um dort auf dem Blütenstand mit nach oben zusammengeklappten Flügeln zu verharren. Hier sind sie mit ihren weiß-grünen Flügelunterseiten gut getarnt.
Die Eiablage erfolgt an Brassicaceae: auf den Elbwiesen in Dresden-Kaditz und Johannstadt, zwischen Graupaer Wald und Pillnitz, in Radebeul sowie in Radeburg an Sisymbrium loeselii (eingebürgerter Neophyt) und Descurainia sophia (Archäophyt); auf dem Industriegelände im Norden von Dresden an Rorippa sylvestris; in der Lausitz an Berteroa incana.
Die Larven leben in den Blüten- und Fruchständen von Sisymbrium loeselii sowohl an frischen als auch an nahezu vertrockneten Pflanzen. Außerhalb sehr trockener und warmer Standorte leben die Larven zusammen mit den Larven von Pieris napi und P. rapae in unmittelbarer Nachbarschaft auf derselben Pflanze, wobei alle drei Arten in gleich hohem Maße von parasitoiden Insekten befallen zu werden scheinen. An trocken-warmen Weinbergstandorten ist Pontia daplidice die einzige Weißlingsraupe und wird dort offenbar seltener als die anderen Weißlingsarten parasitiert.

Lebensräume

Sandige und ruderale Offenländer mit niedriger Krautvegetation und hoher Sonneneinstrahlung (z. B. Kiesflächen, Trockenrasen, Hochwasserdämme, trockene Talwiesen).

Bestandssituation

Kurze et al. (2006) zeigen anhand des Nachweises von Frühjahrsgenerationen, dass der Resedaweißling in Sachsen bodenständig ist. Die Falter treten in einer Frühjahrsgeneration von April bis Mai und einer individuenreicheren Sommergeneration von Juli bis September auf (Ochsenheimer 1805; Möbius 1905; Trübsbach 1941; Kurze et al. 2006).

Literatur

  • Bauer, F. 2008: Zur Lebensweise von Pontia daplidice (Linnaeus, 1758) in Sachsen (Lepidoptera: Pieridae). – Sächsische Entomologische Zeitschrift 3: 106–111.
  • Geiger, H. & A. Scholl 1982: Pontia daplidice (Lepidoptera, Pieridae) in Südeuropa – eine Gruppe von zwei Arten. – Mitteilungen der schweizerischen entomologischen Gesellschaft 55: 107–114.
  • Geiger H., H. Descimon & A. Scholl 1988: Evidence for speciation within nominal Pontia daplidice (Linnaeus, 1758) in southern Europe (Lepidoptera: Pieridae). – Nota lepidopterologica 11 (1): 7–20.
  • Hausmann, A., G. Haszprunar, A. H. Segerer, W. Speidel, G. Behounek & P. D. N. Hebert 2011: Now DNA-barcoded: the butterflies and larger moths of Germany (Lepidoptera: Rhopalocera, Macroheterocera). – Spixiana 34 (1): 47–58.
  • John, E., M. Wiemers, C. Makris & P. Russell 2013: The Pontia daplidice (Linnaeus, 1758) / Pontia edusa (Fabricius, 1777) complex (Lepidoptera: Pieridae): confirmation of the presence of Pontia daplidice in Cyprus, and of Cleome iberica DC. as a new host-plant for this species in the Levant. – Entomologist's Gazette 64: 69–78.
  • Kurze, B.-J., M. Nuss & M. Westphalen 2006: Vorkommen und Lebensweise des Resedaweißlings (Pontia daplidice (Linnaeus, 1758)) in Sachsen (Lepidoptera: Pieridae). – Sächsische Entomologische Zeitschrift 1: 89–100.
  • Möbius, E. T. A. 1905: Die Grossschmetterlings-Fauna des Königreiches Sachsen. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 18 (1): i–xxi, [i]–[xi], 1–235, Taf. 1–2.
  • Ochsenheimer, F. 1805: Die Schmetterlinge Sachsens mit Rücksichten auf alle bekannten europäischen Arten. 1. Theil: Falter oder Tagschmetterlinge. – Dresden und Leipzig.
  • Porter, A. H., R. Wenger, H. Geiger, A. Scholl & A. M. Shapiro 1997: The Pontia daplidice-edusa hybrid zone in northwestern Italy. – Evolution 51 (5): 1561–1573.
  • Trübsbach, P. 1941: Gohlis bei Riesa an der Elbe, ein xerothermer Landstrich in Sachsen und seine kennzeichnende Falterfauna. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 54 (1940): 1–31.
  • Wagener P. S. 1988: What are the valid names for the two genetically different taxa currently included within Pontia daplidice (Linnaeus, 1758)? (Lepidoptera: Pieridae). – Nota Lepidopterologica 11 (1): 21–38.

Links

Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 27.06.2017

Resedaweißling am Ortsrand von Weißensand (Vogtl.) im April 2004
(© Matthias Hartung)


Resedaweißling am Abend des 4. Mai 2013 in der Neustädter Heide
(© Friedmar Graf)


Resedaweißling vom 30.8.2009 aus Steinbach, Weg zum Köckritzteich
(© Eva-Maria Bäßler)


Resedaweißling im August 2011 in Radebeul
(© Steffen Hintersaß)


Pontia daplidice-Raupe am 12.08.2007 in Radebeul-Zitzschewig
(© Franziska Bauer)
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