Aurorafalter (Anthocharis cardamines (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Vorderflügellänge 18–22 mm. 

Flügel weiß.

Flügeloberseiten: Vorderflügel mit dunkelgrauen Spitzen sowie einem schwarzen Punkt etwa in der Flügelmitte; Männchen zu einem Drittel auffallend orange gefärbt.

Flügelunterseiten: Vorderflügel blasser gefärbt; Hinterflügel mit unregelmäßiger dunkel olivgrüner und weißer Marmorierung.

Ähnliche Art: Das Weibchen des Aurorafalters ähnelt dem Resedaweißling (Pontia daplidice)), welcher im Vorderflügel einen deutlich größeren Mittelfleck und oberseits in den dunkel gefärbten Spitzen weiße Flecken sowie auf der Hinterflügelunterseite eine ausgedehntere olivgrüne Färbung aufweist.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

Gesetzlicher Schutz (BArtSchV, BNatSchG): Nicht besonders geschützt
Rote Liste Sachsen (Reinhardt 2007): ungefährdet
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz et al. 2012): ungefährdet

Merkmale

Aurorafalter haben eine Körperlänge von etwa 18 mm und eine Vorderflügellänge zwischen 18 und 22 mm. Sie gehören zu den Weißlingen (Pieridae). Namensgebend für diese Schmetterlingsgruppe ist die bei vielen Faltern dominant weiße Flügelfärbung, die auch beim Aurorafalter vorherrschend ist.
Die Männchen sind in den Vorderflügeln zudem auffällig orange gefärbt (der Name "Aurora" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Morgenröte), wodurch sie selbst im Flug zweifelsfrei von allen anderen bei uns heimischen Schmetterlingsarten unterscheidbar sind.
Den Weibchen fehlt diese Orangefärbung. Ihre überwiegend weiße Flügeloberseite zeigt ausnahmslos schwarze Zeichnungselemente. Auf der Unterseite der Hinterflügel beider Geschlechter des Aurorafalters befindet sich ein unregelmäßiges olivgrünes Fleckenmuster, welches der Zeichnung des Resedaweißlings (Pontia daplidice) ähnelt. Die Weibchen des Aurorafalters sind sehr leicht mit dieser Art zu verwechseln!
Die Larve wird bis zu 3 cm lang und ist überwiegend grün gefärbt.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Aurorafalters erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über das gesamte Europa bis nördlich des Polarkreises in Skandinavien sowie östlich bis nach Japan.

Lebensweise

Der Aurorafalter gehört zu jenen Weißlingen, deren Larven an Kreuzblütengewächsen (Brassicaceae) fressen.

Die Falter saugen an verschiedenen weiß- und violett blühenden Kreuzblütengewächsen Nektar. Bei quantitativen Untersuchungen im Hunsrück in Südwestdeutschland war das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) die wichtigste Nektarquelle für den Aurorafalter, während an anderen Pflanzen nur einzelne Blütenbesuche beobachtet wurden (Schmitt 1998). Die Falter sind gute Flieger und auch außerhalb der Larvenlebensräume zu beobachten. Sie fliegen vor dem vollständigen Laubaustrieb unserer Bäume, meist im April; in warmen Gebieten von Ende März bis Ende Mai. In höheren Lagen beginnt die Flugzeit oft erst Mitte oder Ende April und kann dort bis in den Juli andauern. Nach Sobczyk (mdl. Mitt. 2016) beginnt der Falterflug mit dem Beginn der Sauerkirschblüte.

Die Eiablage erfolgt in die Blütenstände von Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) (Name!), Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Rauhaariger Gänsekresse (Arabis hirsuta), Silberblatt (Lunaria spp.), Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) und weiteren Arten der Kreuzblütengewächse. Welche dieser Arten zur Eiablage benutzt werden ist abhängig von der Verfügbarkeit der jeweiligen Pflanzenart (Wiklund & Friberg 2009; Bräu et al. 2013). Die Larve frisst vor allem die Blüten und Früchte dieser Pflanzen. Die ausgewachsene Larve sucht zur Verpuppung einen Stängel auf, an dem sie eine Gürtelpuppe ausbildet, welche überwintert.

Lebensräume

Außer in dunklen Fichtenwäldern und auf großen Ackerflächen kann der Aurorafalter fast überall fliegend beobachtet werden. Die natürlichen Lebensräume sind wahrscheinlich feuchte Wiesen, Waldrandbereiche und Laubmischwälder. Man kann ihn in Parks, an Dorfrändern, auf Wiesen und in Auwäldern antreffen.

Bestandssituation

Der Aurorafalter gilt in seinem Bestand insgesamt als nicht gefährdet. In diesem Portal gemeldete Beobachtungen in den Jahren 2011–2013 gingen jedoch überwiegend nur auf ein oder wenige Individuen zurück und einige Wiesenschaumkrautwiesen in Sachsen wiesen keine Aurorafalter auf.
Eine deutliche Ausdünnung der Vorkommen des Aurorafalters wird auch aus der Schweiz, Baden-Württemberg und Bayern gemeldet. Als Ursachen werden insbesondere das Fehlen von Saumgesellschaften zwischen Wald- und Offenlandstandorten sowie eine vollständige Mahd genannt (Bräu et al. 2013).
Das Vorhandensein ganzjährig nicht oder nur teilweise gemähter Säume sowie das nur abschnittsweise Mähen der Wiesen sind eine Voraussetzung für den Erhalt der Larven und Puppen in ihren Lebensräumen.

Literatur

  • Bräu, M., R. Bolz, H. Kolbeck, A. Nunner, J. Voith & W. Wolf 2013: Tagfalter in Bayern. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 781 S.
  • Ebert, G. & E. Rennwald 1993: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1: Tagfalter 1. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 552 S.
  • Eckstein, K. 1913: Die Schmetterlinge Deutschlands mit besonderer Berücksichtigung der Biologie. 1. Band. – Schriften des Deutschen Lehrerveins für Naturkunde 26: 120 S., 16 Taf.
  • Koch, 1984: Wir bestimmen Schmetterlinge. – Neumann Verlag, Leipzig & Radebeul. 792 S.
  • Lampert, K. 1907: Die Großschmetterlinge und Raupen Mitteleuropas mit besonderer Berücksichtigung der biologisch Verhältnisse.
  • Möbius, E. T. A. 1905: Die Grossschmetterlings-Fauna des Königreiches Sachsen. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 18 (1): i–xxi, [i]–[xi], 1–235, Taf. 1–2.
  • Möbius, E. T. A. 1922: Nachtrag zur Grossschmetterlingsfauna Sachsens. – Deutsche entomologische Zeitschrift Iris, Dresden 36: 45–92.
  • Ochsenheimer, F. 1805: Die Schmetterlinge Sachsens mit Rücksichten auf alle bekannten europäischen Arten. 1. Theil: Falter oder Tagschmetterlinge. – Dresden und Leipzig.
  • Ochsenheimer, F. 1808: Die Schmetterlinge von Europa 1 (2). – Leipzig, Gerhard Fleischer dem Jüngern. I–XXX, 1–240, Verbesserungen.
  • Reinhardt, R. 2007: Rote Liste Tagfalter Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.). 29. S.  
  • Reinhardt, R. & R. Bolz, unter Mitarbeit von S. Caspari, J. Gelbrecht, S. Hafner, J. Händel, A. Haslberger, G. Hermann, A. Hofmann, K.-H. Jelinek, D. Kolligs, A. C. Lange, J.-U. Meineke, A. Nunner, A. Schmidt, R. Thust, R. Ulrich, V. Wachlin und weiteren Spezialisten 2012 ("2011"): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. S. 165–194. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch, Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg. 
  • Reinhardt, R., H. Sbieschne, J. Settele, U. Fischer & G. Fiedler 2007: Tagfalter von Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, Dresden Beiheft 11: 1–695, 1–48.
  • Schmitt, T. 1998: Blütenpräferenzen von Tagfaltern im südwestlichen Hunsrück (Lepidoptera). – Nachrichten des entomologischen Vereins Apollo, N. F. 19 (2): 161–204.
  • Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt 2000: Die Tagfalter Deutschlands. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 452 S.
  • Tolman, T. & R. Lewington 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart. 319 S., 104 Tafeln. (Übersetzung und fachliche Bearbeitung der 1. Aufl. von M. Nuss; 2. Aufl. 2012 von Heidrun Melzer).
  • Weidemann, H.-J. 1995: Tagfalter beobachten, bestimmen. – Naturbuch-Verlag, Augsburg. 660 S.
  • Wiklund, C. & M. Friberg, M. 2009: The evolutionary ecology of generalization: among-year variation in host plant use and offspring survival in a Butterfly. – Ecology 90 (12): 3406–3417.

Links

der Aurorafalter im Lepiforum
der Aurorafalter in Wikipedia

Autor(-en): Matthias Nuß, Franziska Bauer. Letzte Änderung am 05.05.2016

Aurorafalter, Nähe Stockteich bei Arnsdorf
(© Peter Diehl)


Aurorafalter, Nähe Stockteich bei Arnsdorf
(© Peter Diehl)


Weibchen des Aurorafalters im Mai 2008 bei Weißensand
(© Matthias Hartung)


Weibchen des Aurorafalters im April 2015 in Dresden auf Schaumkraut
(© Wolfgang Mey)


Ei des Aurorafalters, das sich wenige Tage vor dem Schlüpfen der Larve dunkelorange verfärbt. Weißensand im Mai 2011 an Wiesenschaumkraut
(© Matthias Hartung)


Larve des Aurorafalters auf Wiesenschaumkraut. Dübener Heide, Umgebung Doberschütz, 8. Juni 2008
(© Heidrun Melzer)


Puppe des Aurorafalters mit Schnee. 22.12.2007 in Lengenfeld Ortsteil Grün
(© Matthias Hartung)


Männchen des Aurorafalters im Naturschutzgebiet "Am Spitzberg Lüptitz-Wurzen" im Mai 2011
(© Daniel Kopsch)


Ein männlicher Aurorafalter beugt sich zum Nektarsaugen tief in eine Blüte. Umgebung Jena-Göschwitz (Thüringen), 28. April 2007
(© Heidrun Melzer)
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