Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale A. Costa, 1860)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Die Südliche Eichenschrecke ist eine grüne, sehr schlanke, stummelflügelige Langfühlerschrecke. Die ähnliche Gemeine Eichenschrecke (Meconema thalassinum) besitzt hingegen voll ausgebildete, lange Flügel. Achtung: Die Larven beider Eichenschrecken sind kaum zu unterscheiden.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Die Südliche Eichenschrecke ist eine recht schlanke, hellgrüne Laubheuschrecke mit einer Körperlänge von 11-16mm (ausgewachsene Tiere). Die Larven der Südlichen Eichenschrecke und der Gemeinen Eichenschrecke ähneln sich sehr, die erwachsenen Tiere lassen sich jedoch gut unterscheiden, da die erwachsenen Tiere der Südlichen Eichenschrecke in beiden Geschlechtern Stummelflügel besitzen. Die Legeröhre des Weibchens ist mit ca. 7,5 mm etwas kürzer als bei der Gemeinen Eichenschrecke und etwas stärker gebogen. Die Subgenitalplatte der Weibchen ist abgerundet oder leicht gebuchtet, eine ausgezogene Spitze wie bei der Gemeinen Eichenschrecke fehlt.  Die Cerci der Männchen sind leicht S-förmig gebogen und besitzen am Ende einen kleinen Zahn (Lupe!).

Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Südlichen Eichenschrecke erstreckte sich in Süd-Nord-Ausdehnung von Sizilien bis zu den Alpen und in West-Ost-Ausdehnung von Südfrankreich bis Slowenien (Detzel 1998). In Deutschland wurde sie erstmals in Baden-Württemberg bei Freiburg im Jahre 1958 nachgewiesen. Danach breitete sie sich in Deutschland weiter aus: Erstnachweis in Hessen 1985, Erstnachweis in Rheinland-Pfalz 1989, Erstnachweis in Nordrhein-Westfalen 1991, Erstnachweis in Bayern 1996, Erstnachweis in Brandenburg 2005, Erstnachweis in Bremen 2006, Erstnachweise in Niedersachsen und Berlin 2007, Erstnachweise in Sachsen und Sachsen-Anhalt 2008, Erstnachweis in Thüringen 2009. Auch in Tschechien konnte die Südliche Eichenschrecke inzwischen nachgewiesen werden.

Lebensweise

Die Südliche Eichenschrecke lebt räuberisch und ernährt sich von kleinen Gliederfüßern wie Blattläusen und Raupen. Sie ist ein ausgesprochener Gehölzbewohner. Die Balz erfolgt mit Trommelschlägen der Hinterbeine auf Blätter und Zweige, die gleichzeitig als Resonanzkörper und Schallleiter dienen. Die Eiablage erfolgt im Spätsommer und Herbst in Rindenspalten an Stämmen von Bäumen; hier überwintern die Eier. Die Larven schlüpfen im darauffolgenden Jahr etwa ab Mai und entwickeln sich im gleichen Jahr bis zum erwachsenen Tier. Die erwachsenen Tiere können bis spät in den Herbst hinein beobachtet werden.
Die Südliche Eichenschrecke ist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie sucht aktiv künstliche Lichtquellen wie Hausbeleuchtungen und Zimmerlicht auf, so dass sie auch in Wohnungen gefunden wird. Bei der Bekletterung von Gebäuden fällt die südliche Eichenschrecke regelmäßig Spinnen zum Opfer, tote Tiere können in Spinnennetzen z.B. unter Balkonen oder an Hauseingängen gefunden werden.

Lebensräume

Da die Eiablage in Rindenspalten von Gehölzen erfolgt, werden gehölzbestandene Habitate benötigt. Aufgrund der Verschleppung durch den Menschen ist diese flugunfähige Heuschreckenart insbesondere in der Nähe durchgrünter Plattenbaugebiete, Parks, baumbestandener Park- und Spielplätze, Schulhöfe, baumbestandener Einfamilienhaussiedlungen und Villenviertel sowie an Alleebäumen im Bereich geschlossener Bebauung zu finden. Eine Bevorzugung bestimmter Baumarten wurde in Sachsen bisher nicht festgestellt. Auch das Baumalter scheint keinen Einfluss auf die Besiedlung zu haben. Auf besiedelten Bäumen und Sträuchern nutzt die Südliche Eichenschrecke alle Straten. Im belaubten Bereich erfolgt die Jagd sowie die Balz bis in die Krone hinein. Hier wird zudem die Ruhephase am Tage verbracht. Im Allgemeinen wird der untere Kronenansatz, der Stamm und der Stammfuß  bei Baumwechseln sowie zur Eiablage genutzt. Für die Eiablage ist das vorhandensein von Rindenspalten notwendig, welche an glattborkigen Baumarten vor allem im Bereich des Kronenansatzes und im Bereich von Rindenverletzungen, jedoch weniger am Stammfußbereich zu finden sind. Hier sind die Weibchen der Südlichen Eichenschrecke an glattborkigen Baumarten dann auch vermehrt zu beobachten.

Bestandssituation

Da die Südliche Eichenschrecke erst seit 2009 in Sachsen nachgewiesen ist, liegen für eine Einschätzung ihrer Bestandessituation noch zu wenige Daten vor. Es ist jedoch mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen.

Literatur

  • Baierl, E. & B. Baierl 1997. Südliche Eichenschrecke Meconema meridionale. – In: H. Pieren, M. Henf, T. Krause & E. Baierl, Die Heuschrecken im Kreis Mettmann und in der Stadt Düsseldorf. – Schriftenreihe der Biologischen Station Urdenbacher Kämpe 2. 145 S.
  • Balvin O. , Vlk R. & P. Marhoul 2010: Rychlá expanze bezkřídlé kobylky. Zoologické DNY, Sborník abstraktů z konference 11.-12. února 2010. Praha 2010
  • Gottfried, T. & A. Kästner 2009: Erstnachweise der Südlichen Eichenschrecke (Meconema meridionale (Costa, 1860)) in Sachsen und Sachsen-Anhalt (Saltatoria). – Sächsische Entomologische Zeitschrift 4 (2009): 3-9
  • Grünitz, K. & A. Hochkirch 2007. Erst-Nachweis der Südlichen Eichenschrecke, Meconema meridionale (Costa, 1860), in Bremen. – Articulata 22 (1): 77–79.
  • Helversen, O. v. 1969. Meconema meridionale (Costa, 1860) in der südlichen Oberrhein-Ebene (Ort. Ensifera). – Mitteilungen der Deutschen Entomologischen Gesellschaft 28 (2): 19–22.
  • Husemann, M., A. Michalik & A. Hochkirch 2008. Erstnachweis der Südlichen Eichenschrecke, Meconema meridionale (Costa, 1860), in Osnabrück (Niedersachsen). – Articulata 23 (1): 77–80.
  • Ingrisch, S. 1976: Vergleichende Untersuchungen zum Nahrungsspektrum mitteleuropäischer Laubheuschrecken (Saltatoria: Tettigoniidae). – Entomologische Zeitschrift 86: 217-224.
  • Ingrisch, S. 1977: Beitrag zur Kenntnis der Larvenstadien mitteleuropäischer Laubheuschrecken (Orthoptera: Tettigoniidae). – Zeitschrift für angewandte Zoologie 64 (4). 459-501.
  • Kästner, T. 2014: Die Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale (Costa, 1860)) per Anhalter durch Sachsen (Orthoptera: Meconematidae). – Sächsische EntomologischeZeitschrift 7 (2012/2013): 60–64.
  • Klaus, D. & D. Matzke 2010: Heuschrecken, Fangschrecken, Schaben und Ohrwürmer - Rote Liste und Artenliste Sachsens. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie – Druckerei Wagner GmbH 36 S.
  • Kuhn, K. 2001. Die Südliche Eichenschrecke Meconema meridionale (Costa, 1860) neu für Schwaben. – Bericht der Naturforschenden Gesellschaft Augsburg 60: 101–102.
  • Niehuis, M. & O. Niehuis 1995. Freilandfunde der Südlichen Eichenschrecke – Meconema meridionale (Costa, 1860) – in Rheinland-Pfalz (Insecta: Saltatoria). – Fauna Flora Rheinland- Pfalz 7 (4): 1080–1084.
  • Schulte, T. 1990. Die Südliche Eichenschrecke Meconema meridionale (Costa) (Saltatoria: Ensifera: Meconematidae) neu in Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 5 (4): 1070–1072.
  • Sczepanski, S. & B. Jacobi 2005. Notizen zur Ausbreitung der Südlichen Eichenschrecke (Meconema meridionale Costa) in Nordrhein-Westfalen (Insecta: Saltatoria). – Natur und Heimat 65 (1): 1–6.
  • Sczepanski, S. 2008. Erstnachweis der Südlichen Eichenschrecke, Meconema meridionale (Costa, 1860), in Berlin (Insecta: Saltatoria). – Märkische Ent. Nachr. 10 (1): 135–139.
  • Strätz, C. & S. Weid 2005. Die Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale A. Costa, 1860) in Bayern. – Bericht der Naturforschenden Gesellschaft Bamberg 77: 187–191.
  • Tröger, J. 1986. Die Südliche Eichenschrecke, Meconema meridionale Costa (Saltatoria: Ensifera: Meconematidae, erobert die Städte am Oberrhein. – Entomologische Zeitschrift 96 (16): 229–232.
  • Weihrauch, F. & A. Lange 2003. Südliche Eichenschrecke Meconema meridionale A. Costa, 1860. – In: Schlumprecht, H. & G. Waeber (2003): Heuschrecken in Bayern. – Ulmer, Stuttgart. 96–97.

 

Autor(-en): Tommy Kästner, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 10.09.2014

Männliche Südliche Eichenschrecke am 06.11.2014 in Glashütte
(© Stefan Höhnel)


Adultes Weibchen von M. meridionale in einem Wohngebiet in Dresden, 10.10.2008
(© T. Kästner)


Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale A. Costa, 1860), Leipzig-Wiederitzsch, gefunden in einem offenen Gang in ein Gebäude, September 2014
(© Kirsten Craß)
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