Sechsfüßer (Hexapoda)

Diagnose

Ursprüngliche Merkmale der Hexapoda sind ein Kopf mit einem Paar Gliederantennen und posterior des Labrums drei Paar Mundwerkzeugen (ungegliederte Mandibel, gegliederte und mit Taster versehene Maxillen I und II), ein aus drei Segmenten (Pro-, Meso- und Methathorax) bestehender Thorax ohne Flügel aber einem Paar gegliederter Beine an jedem Thoraxsegment sowie einem Abdomen aus 12 Segmenten.

Namensgebung

Der wissenschaftliche Name Hexapoda leitet sich aus dem Griechischen ab und meint "Sechsfüßer".

Merkmale

Zum Grundbauplan der Hexapoda gehören folgende Merkmale:
Kopf. Der Kopf besteht ursprünglich aus sechs Segmenten, mit einem Paar Gliederantennen sowie posterior des Labrums drei Paar Mundwerkzeugen: ungegliederte Mandibel sowie gegliederte und mit Taster versehene Maxillen I und II (Mx II = Labium).
Thorax. Der Thorax besteht aus den drei Segmenten Pro-, Meso- und Methathorax und ist primär flügellos; jedes Segment primär mit einem Paar Podomeren (gegliederte Beine).
Abdomen. Das Abdomen besteht primär aus 12 Segmenten (einschließlich Telson).

Stammesgeschichte

Die Hexapoda bilden gemeinsam mit den Krebstieren (Crustacea) eine natürliche Abstammungsgemeinschaft (Monophylum), die Pancrustacea (= Tetraconata). Die traditionell als Krebstiere bezeichnete Tiergruppe ist damit paraphyletisch. Lange gab es keine gesicherte Hypothese, welche Teilgruppe der Crustacea Schwestergruppe der Hexapoda ist, doch gibt es schließlich eine gewisse Tendenz zu den Remipedia und weniger zu den Branchiopoda oder Cephalocarida (z. B. Zrzavý & Štys 1997; Dohle 1997, 2001; Richter 1999, 2002; Mallat & Giribert 2006; Regier et al. 2008; Aleshin et al. 2009; Reumont et al. 2009; Regier et al. 2010; Reumont et al. 2011).


Abb.: Die stammesgeschichtlichen Beziehungen an der Basis der Hexapoda (nach Gao et al. 2008 und Reumont et al. 2009).

Im deutschen Sprachraum werden die Insekten und die Hexapoda traditionell oft gleichgesetzt. Im Gegensatz dazu werden im Angelsächsischen, wie auch im wissenschaftlichen Sprachgebrauch, unter den Hexapoda die Entognatha + Insecta, sowie die insects als Insecta verstanden, d.h., die Entognatha gehören nicht zu den insects.

Diversität

Die Hexapoda gelten als die artenreichste Organismengruppe auf unserer Erde. Seit Carl von Linné im Jahr 1758 die binäre Nomenklatur in die Zoologie einführte, wurden über 1 Mio. Hexapoda-Arten wissenschaftlich beschrieben.

Im Jahr 1982 veröffentlichte Terry Erwin eine Hochrechnung über die Anzahl der auf unserer Erde lebenden Insektenarten. Basierend auf einer Untersuchung an Käfern aus dem Kronendach eines Regenwaldes in Panama, Annahmen zu ihrer Wirtsspezifität an Pflanzen, der Artenvielfalt von Pflanzen und den bekannten Artenzahlen der Insektenordnungen schlussfolgerte er, dass tatsächlich etwa 30 Mio. Insektenarten auf unserer Erde leben. Mit diesem Fachartikel zählt Erwin zu einem der Begründer der modernen Biodiversitätsforschung in den 1980er Jahren. Seine Annahmen wurden in der Folge von zahlreichen Wissenschaftlern untersucht, die Hochrechnung von 30 Mio. Insektenarten als zu hoch eingeschätzt und je nach Studie auf 3 bis 10 Mio. Insektenarten korrigiert (Basset et al. 1996; Ødegaard 2000; Novotny et al. 2002).

In Deutschland kommen nach einer Inventur im Rahmen der "Entomofauna Germanica" 33.466 Arten vor (Klausnitzer 2003).

Literatur

 

Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 17.06.2019
Login
Termine (Archiv)
Statistik
  • 296553 Beobachtungen
  • 98757 Onlinemeldungen
  • 2176 Steckbriefe
  • 63090 Fotos
  • 7021 Arten mit Fund
  • 4302 Arten mit Fotos
  • Liste der Autoren