Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius (Linnaeus, 1761))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Gesicht herzförmig. Kopf, Thorax und Abdomenbasis pelzig hell- bis mittelbraun behaart; das Männchen oft etwas heller als das Weibchen. Tergite ohne die gattungstypischen breiten, hellen Endbinden. Dadurch leicht von allen anderen mitteleuropäischen Colletes-Arten zu unterscheiden.

Aufgrund der ebenfalls gattungsuntypischen frühen Flugzeit im zeitigen Frühjahr und der ähnlichen Behaarung kann Colletes cunicularius im Feld mit Andrena-Arten verwechselt werden, insbesondere mit der in beiden Geschlechtern gleich großen und ähnlich gefärbten Andrena carantonica. Zur Unterscheidung: Colletes – zweite und dritte Cubitalader etwa gleich groß. Andrena – zweite Cubitalader deutlich kleiner als die dritte.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Weibchen: Körpergröße 13–14 mm. Körperfarbe schwarz. Kopf, Thorax und Abdomen lang und dicht behaart. Haarfärbung des Kopfes, des Thorax und der ersten Tergite mittelbraun, seitlich oft etwas heller. Behaarung der hinteren Tergite dunkelbraun. Die gattungstypischen hellen, dichten und breiten Haarbinden auf den Enden der Hinterleibtergite fehlen (vgl. z.B. Colletes daviesanus). Scheibe von Tergit 1 und 2 zerstreut punktiert, die Abstände bei 2 mit bis zu mehrfachem Punktdurchmesser.

Männchen: Körpergröße 12–14 mm. Körperfarbe schwarz. Behaarung ähnlich dem Weibchen, insgesamt meist etwas heller. Die Tergitenden aus manchen Betrachtungswinkeln mit bestenfalls angedeuteten lockeren Haarbinden. Sternit 6 ohne deutliche seitliche Erhebungen.

Verbreitung

Europa bis Finnland, im Osten bis Sibirien.

Lebensweise

Solitäre Nistweise mit selbst gegrabenen Liniennestern in vegetationsfreiem Sandboden; bei günstigen Bedingungen in großen Kolonien. Die Nestwände werden von verschiedenen Sekreten gebildet, die zu einer cellophanartigen/seidigen Schicht aushärten (Gattungsname!). Die Überwinterung erfolgt, anders als bei anderen Seidenbienenarten, als fertige Imago in der Brutzelle, was es Colletes cunicularius ermöglicht, bereits im zeitigen Frühjahr auszufliegen.

Die Frühlings-Seidenbiene zählt zu den streng oligolektischen Bienenarten – zum Pollensammeln ist sie auf verschiedene Weidenarten (Salicaceae) spezialisiert. Diese sind auch die hauptsächliche Nektarquelle beider Geschlechter. Der Pollentransport erfolgt mittels spezieller Sammeleinrichtungen an den Seiten des Propodeums und an den Hinterbeinen.

Flugzeit: Zur Weidenblüte von März bis Mai.

Brutparasit: die Große Blutbiene Sphecodes albilabris.

Lebensräume

Sandgebiete, Küsten- und Binnendünen, Flußauen, Sand- und Kiesgruben.

Bestandssituation

Rote Liste Sachsen: Kategorie 3 – gefährdet (Burger et al. 2005).
Rote Liste Deutschland: ungefährdet (Westrich et al. 2012).

Aktive Förderung

Erhalt von vegetationsfreien Sandhabitaten mit Vorkommen von Weidenbeständen.

Literatur

  • Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer 2007: Fauna Helvetica – Apidae 5, Neuchâtel. 356 S.
  • Amiet F., Krebs, A. 2012: Bienen Mitteleuropas, Bern. 423 S.
  • Falk S. 2015: Field Guide to the Bees of Great Britain and Ireland, London. 432 S.
  • Scholz, A. 2013: Offen gelassene Sandgruben – Lebenswerte Welt für so manchen Spezialisten. – Naturschutzinformationen aus dem Landkreis Görlitz 01/2013: 1–3.
Autor(-en): Matthias Nuß, Mandy Fritzsche. Letzte Änderung am 20.01.2017

Diagnostische Merkmale von Colletes cunicularius.
(© Mandy & Michael Fritzsche)


Colletes cunicularis, Weibchen, Dresden, April 2015
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Colletes cunicularius, Männchen, Sandgrube im Dresdner Norden, März 2015
(© Michael & Mandy Fritzsche)


Illustration eines Nestes der Frühlings-Seidenbiene. Aus Friese 1923, Die europäischen Bienen, Berlin & Leipzig, Tafel 2.


Frühlings-Seidenbiene im April 2015, Dresdner Heide
(© Tilmann Adler)


Frühlings-Seidenbiene im April 2015, Dresdner Heide
(© Tilmann Adler)


Paarung von Colletes cunicularius im Botanischen Garten der TU Dresden, März 2014
(© Frank Bachmann)


Frühlings-Seidenbienen-Biotop im April 2015, Dresdner Heide
(© Tilmann Adler)
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