Zweipunktmarienkäfer (Adalia bipunctata (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Variante 1 (75%): Kopf schwarz; Halsschild schwarz, seitlich zwei große sowie mittig ein kleines, brillenförmiges, cremeweißes Makel; Flügeldecken orangerot, mit jeweils einem runden schwarzen Fleck.

Variante 2 (25%): Kopf und Halsschild vollständig schwarz; Flügeldecken schwarz mit jeweils zwei bis drei orangeroten Flecken.

Variante 3 (extrem selten): Kopf, Halsschild und Flügeldecken sind vollständig schwarz gefärbt.

Ähnliche Arten: Coccinella quinquepunctata und die schwarze Form von Adalia decempunctata mit ebenfalls nur zwei roten Punkten.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Die adulten Käfer sind in ihrem Färbungs- und Zeichnungsmuster hoch variabel (Schröder 1901–1902). In Europa treten drei Varianten auf:
Variante 1 (75%): Kopf schwarz; Halsschild schwarz, seitlich zwei große sowie mittig ein kleines, brillenförmiges, cremeweißes Makel; Flügeldecken orangerot, mit jeweils einem runden schwarzen Fleck.
Variante 2 (25%): Kopf und Halsschild vollständig schwarz; Flügeldecken schwarz mit jeweils zwei bis drei orangeroten Flecken.
Variante 3 (extrem selten): Kopf, Halsschild und Flügeldecken sind vollständig schwarz gefärbt.
In Nordamerika ist der Zweipunktmarienkäfer noch variabler und zeigt neben der typischen Form, der melanistischen Form mit roten Flecken sowie der gänzlich melanistischen Form mehrere weitere Variationen, die in anderen Regionen nicht vorkommen, so eine fleckenlose Form, eine vierbändige Form, eine 9-12-fleckige Form sowie intermediäre Formen.
Lommen et al. (2012) zeigen, dass die phänotypischen Merkmale Melanismus und Flügelreduktion genetisch gekoppelt sind, wobei das Allel für Melanismus dominant, das für die Flügelreduktion rezessiv ist. In den Niederlanden hat sich der Anteil der melanistischen Form von 10% an der Küste bis 60% etwa 40 km landeinwärts in den 1980er Jahren auf einheitlich etwa 20% im Jahr 2004 verändert. Die Autoren verweisen auf einen Zusammenhang zwischen thermalem Melanismus und Klimaveränderungen, auf welche die Käfer in nur 50 Generationen reagieren (Brakefield & de Jong 2011).
Über diese Variabilität im Färbungs- und Zeichnungsmuster ist zu beachten, dass frisch geschlüpfte Adulte zunächst fast weiße, später hell-gelbliche und dann rote Flügeldecken aufweisen, die erst nach einigen Stunden aushärten und dann die hellrote Färbung mit den schwarzen Punkten zeigen (Klausnitzer & Klausnitzer 1997).

Auch bei den Larven variiert die Fleckenzeichnung (Klausnitzer & Klausnitzer 1997: 86–87).

Verbreitung

Holarktisch. In Australien zur biologischen Kontrolle von Blattläusen eingeführt. In Neuseeland eingeschleppt (Martin 2016).

Lebensweise

Larven und Adulte ernähren sich von Blattläusen, wobei verschiedene Blattlausarten als Nahrung unterschiedlich geeignet sind. In Experimenten mit einer künstlich getroffenen Auswahl von Blattlausarten erwiesen sich Myzus persicae, Acyrthosiphon pisum, Aulacorthum circumflexum, Microlophium carnosum (= M. evansi) und Phorodon humuli als gut geeignete Nahrung, gemessen an einer kürzeren Larvenentwicklungszeit, einer geringeren Mortalität sowie eines größeren Körpergewichtes beim Schlupf der adulten Käfer. Hingegen gelten Aphis fabae, Aphis sambuci und Brevicoryne brassicae als ungünstige sowie Megoura viciae und Aphis urticata sogar als toxische Nahrung für Adalia bipunctata (Blackmann 1965, 1967a; Hodek 1967; Kalushkov 1994). Trotzdem ist Adalia bipunctata die einzige heimische Marienkäferart, die sich regelmäßig von Aphis sambuci ernähren kann, allerdings ist dies mit einer längeren Larvenentwicklungszeit und einer höheren Mortalität korreliert (Klausnitzer & Klausnitzer 1997).

Blackmann (1967b) zeigte, dass die Larven trotz unterschiedlicher Eignung verschiedener Blattausarten als Nahrung offenbar nicht in der Lage sind, zwischen geeigneten und ungeeigneten Blattlausarten zu diskriminieren. Vielmehr legen die Weibchen ihre Eier tendenziell höher in der Vegetation ab (wo geeignete Blattlausarten vorkommen?).

Die vorgenannten Angaben zu den Blattlausarten als auch zu den Eiablageplätzen beruhen auf Laborexperimenten und können nicht notwendigerweise direkt auf die Situation in der freien Natur übertragen werden. Die wirklichen Nahrungspräferenzen des Zweipunktmarienkäfers können nur dort festgestellt werden.

Nissle & Klausnitzer (1969) untersuchten die Marienkäferfauna an Birken, Buchen, Eichen, Fichten und Kiefern in der Dresdner Heide. Insgesamt wiesen sie 2.303 Individuen von 25 Marienkäferarten nach. Darunter fand sich Adalia bipunctata mit einer deutlichen Häufung, nämlich 124 (52 Larven, 72 Adulte) von 137 Individuen, an Birken. In einer anderen Studie wurde deutlich, dass die Adulten im Frühjahr regelmäßig Pollen von Rosaceae aufnehmen (Klausnitzer & Klausnitzer 1997: 68, 109).

Überwinterungsgesellschaft von Pappel- und Zweipunktmarienkäfern unter Baumrinde.
© Manfred Förster (Fotoarchiv Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden)

Lebensräume

Der Zweipunkt lebt in der Baum- und Strauchschicht von Laubgehölzen verschiedener Lebensräume (Klausnitzer & Klausnitzer 1997).

Bestandssituation

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Zweipunktmarienkäfer in Deutschland noch eine häufige ("gemeine") Art (Reitter 1911: 142, Taf. 100 Fig. 8). In Tschechien sind die Bestände des Zweipunktmarienkäfers seit den 1970er Jahren zurückgegangen. Der negative Bestandstrend begann also lange vor der Ankunft des Asiatischen Marienkäfers (Honek et al. 2016). Hentley et al. (2016) konnten experimentell nicht zeigen, dass der Asiatische Marienkäfer den Rückgang des Zweipunkts verursacht, allerdings verweist Klausnitzer (2017) darauf, dass sich die (bekannten) Umweltansprüchen beider Arten stark überlappen.

Der Zweipunkt wird zur biologischen Kontrolle von Blattläusen und Blattflöhen in Nordamerika, Europa und Asien gezüchtet (Khan et al. 2016).

In Sachsen wird der Zweipunkt in den letzten Jahren nur noch extrem selten beobachtet. Die letzten Nachweise auf INSEKTEN SACHSEN stammen aus dem Jahr 2016. Klausnitzer (2017), der den Zweipunkt intensiv erforschte, unternahm in den Jahren 2016 und 2017 gezielt Klopfproben an Hängebirken (Betula pendula) in der Oberlausitz, die jedoch alle negativ blieben. Auf dem Bienitz bei Leipzig gelangen in den letzten Jahren nur Einzelnachweise am 10.02.2008 und am 03.05.2017 (Hausotte & Däbritz 2017). Der letztgenannte Fund scheint vorerst der letzte Nachweis aus Sachsen zu sein.

Literatur

  • Blackmann 1965: Studies on specificity in Coccinellidae. – Annals of Applied Biology 56 (2): 336–338.
  • Blackmann 1967a: The effects of different aphid foods on Adalia bipunctata L. and Coccinella 7-punctata L. – Annals of Applied Biology 59 (2): 207–219.
  • Blackmann 1967b: Selection of aphid prey by Adalia bipunctata L. and Coccinella 7-punctata L. – Annals of Applied Biology 59 (3): 331–338.
  • Brakefield, P. M. & P. W. de Jong 2011: A steep cline in ladybird melanism has decayed over 25 years: a genetic response to climate change? – Heredity 107: 574–578.
  • Hausotte, M. & A. Däbritz 2017: Aktuelle Marienkäfernachweise (Coleoptera: Coccinellidae) auf dem Bienitz bei Leipzig. – Mitteilungen Sächsischer Entomologen 36 (122): 117–122.
  • Hodek 1967: Bionomics and ecology of predaceous Coccinellidae. – Annual Review of Entomology 12: 79–104.
  • Hentley, W. T., A. J. Vanbergen, A. P. Beckerman, M. N. Brien, R. S. Hails, T. H. Jones & S. N. Johnson 2016: Antagonistic interactions between an invasive alien and a native coccinellid species may promote coexistence. – Journal of Animal Ecology 85: 1087–1097.
  • Honek, A., Z. Martinkova, A. F.G. Dixon, H. E. Roy & S. Pekár 2016: Long-term changes in communities of native coccinellids: population fluctuations and the effect of competition from an invasive non-native species. – Insect Conservation and Diversity 9: 202–209. 
  • Hurst, G. D. D., R. G. Sharpe, A. H. Broomfield, L. E. Walker, T. M. O. Majerus, I. A. Zakharov & M. E. N. Majerus 1995: Sexually transmitted disease in a promiscuous insect, Adalia bipunctata. - Ecological Entomology 20: 230-236.    
  • Kalushkov, P. K. 1994: Zur Lebensdauer, Fruchtbarkeit und Entwicklung von Adalia bipunctata (L.) (Col., Coccinellidae) bei Aufzucht mit drei verschiedenen Blattlausarten. – Anzeiger für Schädlingskunde, Pflanzenschutz, Umweltschutz 67: 6–7.
  • Khan, A. A., J. A. Qureshi, M. Afzal & P. A. Stansly 2016: Two-Spotted Ladybeetle Adalia bipunctata L. (Coleoptera: Coccinellidae): A commercially available predator to control Asian Citrus Psyllid Diaphorina citri (Hemiptera: Liviidae). – PLOS ONE 11 (9): e0162843.
  • Klausnitzer, B. 2017: Rückgang von Adalia bipunctata (Linnaeus, 1758) (Coleoptera, Coccinellidae)? – Entomologische Nachrichten und Berichte 61 (2): 159–162.
  • Klausnitzer, B. & H. Klausnitzer 1997: Marienkäfer (Coccinellidae). – Die Neue Brehm-Bücherei Band 451. – Westarp Wissenschaften, Magdeburg. 175 S.
  • Lommen, S. T. E., P. W. de Jong, K. G. Koops & P. M. Brakefield 2012: Genetic linkage between melanism and winglessness in the ladybird beetle Adalia bipunctata. – Genetica (2012) 140: 229. 
  • Martin, N. A. 2016: Two-spotted ladybird - Adalia bipunctata. – Interesting insects and other invertebrates. New Zealand Arthropod Factsheet Series Number 37. – Landcare Research, New Zealand.
  • Nissle, I. & B. Klausnitzer 1969: Zur Coccinellidenfauna verschiedener Baumarten. – Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz 44 (13): 23–26.
  • Reitter, E. 1911: Fauna Germanica – Die Käfer des Deutschen Reiches. Band 3. – K. G. Lutz‘ Verlag Stuttgart. 436 S., Taf. 81–128.
  • Schröder C. 1901–1902: Die Variabilität der Adalia bipunctata L. (Col.), gleichzeitig ein Beitrag zur Descendenz-Theorie. – Allgemeine Zeitschrift für Entomologie 6 (23): 355–360, (24): 371–377, Taf. 5; 7 (1): 5–12, (2/3): 37–43, (4/5): 65–72.  
  • Webberley, K. M., J. Buszko, V. Isham & G. D. D. Hurst 2006: Sexually transmitted disease epidemics in a natural insect population. - Journal of Animal Ecology 75 (1): 33-43.

Links

Autor(-en): Matthias Nuß. Letzte Änderung am 03.05.2018

Paarung des Zweipunktmarienkäfers. Leipzig, 1991
(© Manfred Förster, Fotoarchiv des Senckenberg Museums für Tierkunde Dresden)


Zweipunkt-Marienkäfer am 24.06.2015 in Muhr am Altmühlsee
(© Eva-Maria Bäßler)
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