Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens (Harris, 1782))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Die Flügel der Männchen besitzen einen mittigen bis zu zwei Drittel der Fläche einnehmenden dunkel getönten Streifen (vollständig getönte Flügel bei Calopteryx virgo). Sowohl die Flügelspitze als auch die Basis sind durchscheinend. Bei den am ganzen Körper grünlich schimmernden Weibchen zeigen die Flügel eine vollständige grünliche Tönung. Eine hohe Verwechslungsgefahr besteht zu den bräunlich gefärbten Weibchen der Blauflügeligen Prachtlibelle (Calopteryx virgo) (weitere Unterscheidungsmerkmale siehe Calopteryx virgo).

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Diese auffällige Libellenart ist an vielen Bächen und Flüssen in den Frühsommermonaten ab Ende Mai zu beobachten. Auffällig ist ihr gaukelnder, an Schmetterlinge erinnernder Flug. Die Flugzeit reicht, je nach Witterungsverlauf, bis weit in den August.  

Merkmale

Die Gebänderte Prachtlibelle ist eine kräftig gebaute Kleinlibelle mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis über 50 mm. Die Männchen haben einen metallisch blau glänzenden Körper. Am Hinterleibsende sind die letzten drei Segmente unterseits gelblich weiß gefärbt (Signal). Die Flügel haben je ein breites blaues Band, Flügelspitzen und Flügelbasis sind hyalin (durchscheinend). Die Körperfarbe ausgefärbter Weibchen ist metallisch grün, die Flügel sind durchscheinend, mit grünem Schimmer.

Die Gebänderte Prachtlibelle kann mit einer engen Verwandten, der Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo),
verwechselt werden. Letztere hat völlig metallisch blau gefärbte Flügel, das „Signal“ ist rot. Die weiblichen Tiere sind bronze- bis kupferfarben mit braun getönten Flügeln. Die Blauflügel-Prachtlibelle besiedelt im Unterschied zur gebänderten Prachtlibelle stärker beschattete, kühlere
Fließgewässerabschnitte.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gebänderten Prachtlibelle erstreckt sich von Westeuropa bis zum Baikal und China. Nördlich ist die Art bis Skandinavien verbreitet. Im Süden wird Vorderasien erreicht. Aus diesem riesigen Areal sind viele Unterarten beschrieben, über deren genauen systematischen Status und geografische Abgrenzung noch wenig bekannt ist.

 

Vorkommen in Sachsen

Die Art ist in Sachsen aus allen Naturräumen bekannt. An Fließgewässern ist sie eine der häufigsten Libellenarten überhaupt. Lediglich in den Gebirgen geht die Anzahl der Tiere zurück. Die höchsten Lagen des Erzgebirges werden nicht besiedelt.

Lebensweise

Nach einer 1-2jährigen Larvenentwicklung zwischen flutenden Wasserpflanzen schlüpfen die Imagines bei günstiger Witterung bereits Anfang Mai. Zuerst sind die Tiere sehr empfindlich, das chitinöse Außenskelett ist noch weich, die vielfach gefalteten Flügel müssen durch das Einpumpen von Hämolymphe in die Tracheen entfaltet werden. Sie trocknen aus und bilden dann durch eine „Knitterstruktur“ des Flügelgeäders einen äußerst widerstandsfähigen und mechanisch belastbaren Flugapparat. Nach der Reifungsphase besetzen die Männchen Reviere am Gewässerufer. Die Paarung erfolgt in einem für Libellen typischen Paarungsrad.  Anschließend legt das Weibchen die Eier unter Wasser in Wasserpflanzen ab (endophytische Eiablage), währenddessen es vom Männchen fliegend bewacht wird.

Lebensräume

Die Gebänderte Prachtlibelle besiedelt wenig beschattete Bachabschnitte und Flüsse mit ausgeprägter Wasser- und Ufervegetation. Während die männlichen Tiere tagsüber Reviere besetzen, können sowohl Männchen als auch Weibchen abends in der Ufervegetation oft in großen, mehrere dutzend Tiere umfassenden Schlafgemeinschaften angetroffen werden.

Bestandssituation

Die Art ist in Sachsen nicht gefährdet.

Literatur

  • Günther 2005; Rüppell 2005
  • Bellmann, H. 1993: Libellen: beobachten – bestimmen. Naturbuch Verlag, Augsburg. 274 S.
  • Brockhaus, T. & U. Fischer (Hrsg.) 2005: Die Libellenfauna Sachsens. Natur & Text, Rangsdorf. 427 S.
  • Dijkstra, K-D. (Hrsg.) 2006: Field Guide to the Dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing, Gillingham, Dorset. 320 S.
  • Dreyer, W. 1986: Die Libellen Das umfassende Handbuch zur Biologie und Ökologie aller mitteleuropäischer Arten mit Bestimmungsschlüsseln für Imagines und Larven. Gerstenberg Verlag, Hildesheim. 219 S.
  • Sternberg, K. & R. Buchwald (Hrsg.) 2000: Die Libellen Baden-Württembergs, Band 1 Allgemeiner Teil, Kleinlibellen (Zygoptera), Literatur. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim). 468 S.

 

Originaltext erstellt von Thomas Brockhaus am 06.06.2011.

Autor(-en): Matthias Nuß, Susanne Kurze. Letzte Änderung am 13.11.2016

Gebänderte Prachtlibelle. links: Männchen; rechts: Weibchen.
(© Olaf Wolfram)


Männchen der gebänderten Prachtlibelle auf einem Blatt sitzend.
(© Hanno Voigt)


Weibchen der gebänderten Prachtlibelle auf einem Blatt sitzend.
(© Hanno Voigt)
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