Nördliche Hausmücke (Culex pipiens Linnaeus, 1758)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Männliche Terminalia: Paraprokt apikal mit einer Krone aus spitzen Dornen. Gonocoxite außen ohne Schuppen. Subapikallobus mit blattartigem Anhang und mit mehreren Dornen. Oberes Sklerit des Aedoeagus stabförmig, die stumpfe Spitze nach außen gerichtet, nicht die Krone erreichend.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

–

Nomenklatur

Culex pipiens Linnaeus, 1758
= Culex molestus
Forskål, 1775

Merkmale

Verbreitung

Die Nördliche Hausmücke (Culex pipiens) stammt wie die Südliche Hausmücke (Culex quinquefasciatus) aus Afrika. Beide Arten wurden durch den Menschen in andere Regionen verschleppt. Die Nördliche Hausmücke ist heute weltweit verbreitet, während die Südliche Hausmücke nur aus tropischen und subtropischen Regionen zwischen 36°N und 36°S bekannt ist. Außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes in Afrika kann es zu Hybridisierungen zwischen diesen beiden Arten kommen (Harbach 2012). In Nordamerika gibt es zwischen beiden Arten eine Hybridzone zwischen 36°N und 39°N. 

Lebensweise

Es überwintern befruchtete Weibchen in Kellern und natürlichen Höhlen. Die Eiablage erfolgt im Frühjahr. Larven hängen mit einem Atemrohr an der Wasseroberfläche und ernähren sich von Mikroorganismen. Die Entwicklung vom Ei bis zum adulten Insekten verläuft über vier Larvenstadien bei günstigen Temperaturen in weniger als 2 Wochen. Die Adulten sind nachtaktiv.

Es gibt zwei physiologische Varianten, "pipiens" und "molestus" (Harbach 2012). "pipiens" lebt über der Erde, die Larven benötigen einen ausreichend großen Wasserkörper, um sich entwickeln zu können, die Weibchen saugen Blut an Vögeln und benötigen die Blutmahlzeit, damit die Eier reifen können und es gibt eine Winter-Diapause. "molestus" hingegen kommt unter der Erde, z. B. in U-Bahn-Tunneln vor, die Larven können sich in kleinen, feuchten Bereichen entwickeln, die Weibchen saugen Blut an Säugetieren, insbesondere Menschen, und die Eier können sich auch ohne Blutmahlzeit entwickeln, und schließlich benötigen die Tiere keine Winter-Diapause (Bryne & Nichols 1999). Aufgrund der unterschiedlichen ökologischen Nischen dieser beiden physiologischen Varianten kann es zwischen ihnen lokal zu eingeschränktem Genfluss kommen, doch sind die beiden Varianten weder morphologisch noch genetisch konsequent voneinander trennbar (Bryne & Nichols 1999; Weitzel et al. 2009; Harbach 2012).

Medizinische Bedeutung

Die Weibchen saugen Blut des Menschen. Beim Blutsaugen injizieren sie Eiweiße, um die Gerinnung der im Blut enthaltenen Eiweiße zu verhindern. Die für den Wirt körperfremden Eiweiße der Mücke lösen eine Immunreaktion beim Wirt aus. Im Darm der Mücke hingegen wird das Blut sofort eingedickt, um die Flugfähigkeit des Tieres herzustellen.

Beim Blutsaugen können die Mücken das Ockelbo-Virus, den Erreger der Ockelbo-Krankheit, übertragen, die mit Fieber, Hautausschlägen und hartnäckigen Gelenkschmerzen einhergehen kann (Becker et al. 2003). 
Im Jahr 2009 wurde in deutschen C. pipiens-Populationen erstmals das Sindbis-Virus nachgewiesen, dem Erreger einer meist harmlosen fiebrigen Erkrankung mit Entzündungen der Gelenke, die zum Teil mit Hautausschlägen und selten mit einer Enzephalitis einhergeht. Ob C. pipiens diese Krankheit auf den Menschen übertragen kann, ist unbekannt (Jöst et al. 2010).

Lebensräume

Bestandssituation

Literatur

  • Becker N., D. Petric , M. Zgomba, C. Boase, C. Dahl, J. Lane &. A. Kaiser 2003: Mosquitoes and their control. – Kluwer Academic et Plenum Publishers, New York, 498 S.
  • Britz, L. 2010: Stechmückenforschung in Leipzig (Diptera, Culicidae). - Entomologische Nachrichten und Berichte 54 (3-4): 266-268.
  • Byrne, K. & R. A. Nichols 1999: Culex pipiens in London Underground tunnels: differentiation between surface and subterranean populations. – Heredity 82: 7–15.
  • Dahl, C. I., A. Kaiser & N. Becker 1999: Culicidae. S. 51–52. – In: H. Schumann, R. Bährmann & A. Stark, Checkliste der Dipteren Deutschlands. – Studia Dipterologica, Suppl. 2.
  • Harbach, R. E. 2012: Culex pipiens: species versus species complex – taxonomic history and perspective. – Journal of the American Mosquito Control Association 28 (4s): 10–24.
  • Jöst, H., A. Bialonski, V. Storch, S. Günther, N. Becker & J. Schmidt-Chanasit 2010: Isolation and phylogenetic analysis of Sindbis viruses from mosquitoes in Germany. – Journal of Clinical Microbiology 48 (5): 1900–1903.
  • Weitzel, T., A. Collado, A. Jöst, K. Pietsch, V. Storch & N. Becker 2009: Genetic differentiation of populations within the Culex pipiens complex and phylogeny of related species. – Journal of the American Mosquito Control Association 25 (1): 6–18.
Autor(-en): Matthias Nuß, Uwe Kallweit. Letzte Änderung am 12.02.2019

Fühlergeißel
(© Uwe Kallweit)


Flügel
(© Uwe Kallweit)


Terminalia von oben
(© Uwe Kallweit)
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