Stechmücken (Culicidae)

Diagnose

Stechmücken sind von allen anderen Zweiflüglern durch einen Stechrüssel, der länger ist als der Thorax (Abb. 1-3) und Schuppen auf Kopf, Thorax (incl. Flügel und Beine) und Abdomen (Abb. 4) zu unterscheiden. Die eigentlichen Stechwerkzeuge, die in die Haut des Opfers eindringen, sind Labrum, Maxillen und Mandibeln (rote Pfeile in Abb. 3). Die häufigsten Schuppenformen sind „gegabelt“ (Ochlerotatus communis), ruderblattartig (Ochlerotatus communis; Ochlerotatus cantans) und sichelförmig (Scutum, Culiseta annulata; Scutum und Scheitel Ochlerotatus communis). Weibchen haben lange, vielgliedrige Fühler mit wenigen langen Borsten an der Basis jedes Geißelgliedes (Abb. 1-3). Die Fühlerglieder der Männchen sind auffallend lang und dicht behaart (Abb. 7), das letzte Glied trägt wenige lange Borsten, wie beim Weibchen. Die Klauen der Vorder- und Hinterbeine sind bei den Männchen vergrößert (Abb. 22), bei den meisten Weibchen von normaler Größe (Abb. 21). Schuppen und Borsten auf Kopf und Thorax bieten wichtige Merkmale zur Unterscheidung der Weibchen (Abb. 11).

Merkmale

Stechmücken können von anderen Zweiflüglern leicht anhand äußerer Merkmale unterschieden werden. Die Zuordnung einiger wichtiger Begriffe zur Bestimmung von Imagines wird in den Abbildungen 1 bis 11 gezeigt. Eier, Larven und Puppen sind in der vorliegenden Version nicht berücksichtigt. Die Identifikation von Arten innerhalb der Familie ist aufwändig. Die überwiegende Zahl der aus Deutschland bekannten Arten ist anhand morphologischer Eigenheiten zuordenbar, was bei den Männchen leichter geht, als bei den Weibchen. Einige Arten können nur durch das Studium großer Serien identifiziert werden, unter Einbeziehung zytologischer und biochemischer Untersuchungsmethoden. Blutsauger sind ausschließlich die Weibchen.
Männchen werden nach dem Bau des Kopulationsapparates unterschieden (Abb. 9, 24-25, 27, 30).

Ausführliche Beschreibungen der Arten finden sich bei Mohrig (1969) und Becker et al. (2003).

Vorkommen und Diversität

Weltweit gibt es 3209 Stechmückenarten, von denen 46 in Deutschland vorkommen (Dahl et al. 1999). In einer Pressemitteilung vom 27.04.2012 zum Start des Mückenatlas nannten Kampen & Werner 49 Mückenarten für Deutschland, 2019 galten 55 Arten aus Deutschland als nachgewiesen, 46 davon wurden im Rahmen des Projektes "Mückenatlas" registriert (Werner & Kampen 2019).

Besonderheiten

In der Aquaristik werden die Larven der Stechmücken regelmäßig als Fischfutter verwendet. Aufgrund ihrer Färbung sowie zur Unterscheidung von den Larven der Chaoboridae und Chironomidae, die in der Aquaristik ebenfalls Verwendung finden, werden sie "Schwarze Mückenlarven" genannt.

Literatur

  • Becker N., D. Petric , M. Zgomba, C. Boase, C. Dahl, J. Lane &. A. Kaiser 2003: Mosquitoes and their control. – Kluwer Academic et Plenum Publishers, New York, 498 S.
  • Britz, L. 2010: Stechmückenforschung in Leipzig (Diptera, Culicidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte 54 (3-4): 266–268.
  • Dahl, C. I., A. Kaiser & N. Becker 1999: Culicidae. S. 51–52. – In: H. Schumann, R. Bährmann & A. Stark, Checkliste der Dipteren Deutschlands. – Studia Dipterologica, Suppl. 2.
  • Dahl, C. & G. B. White 1978: Culicidae. S. 390–395. – In: J. Illies, Limnofauna Europaea. Stuttgart.
  • Kampen, H., D. Zielke & D. Werner 2013: Der Mückenatlas: Vom Mitmach-Projekt zur Wissenschaft. – Naturwissenschaftliche Rundschau 66 (6): 285–295.
  • Kiel, E., T. V. Dworrak, F. Sauer, L. Jaworski & R. Lühken 2019: Konfliktfeld Stechmücken und Naturschutz. – Natur und Landschaft 94 (2): 52–58.
  • Mattingly, P. F. 1973: Culicidae (Mosquitoes). – In: K. G. V. Smith, Insects and other arthropods of medical importance. – British Museum, London. 37–107.
  • Mohrig, W. 1969: Die Culiciden Deutschlands. Untersuchungen zur Taxonomie, Biologie und Ökologie der einheimischen Stechmücken. – Parasitologische Schriftenreihe, Jena 18: 260 S.
  • Peus, F. 1950: Stechmücken. – Die Neue Brehm-Bücherei. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg/ Lutherstadt. 80 S.
  • Werner, D. & H. Kampen 2019: Stechmücken-Monitoring über das Citizen-Science-Projekt "Mückenatlas". – Natur und Landschaft 94 (3): 125–127.
  • Weyer, F. 1954: Bestimmungsschlüssel für die Anopheles-Weibchen und -larven in Europa, Nordafrika und Westasien. – Merkblätter des Bernhardt-Nocht-Institutes für Schiffs- und Tropenkrankheiten Hamburg, Medizinisch wichtige Insekten, Merkblatt 12. – Johann-Ambrosius-Barth, Leipzig. 36 S.

Links

 

Autor(-en): Matthias Nuß, Uwe Kallweit. Letzte Änderung am 25.03.2019

Abb. 1: Ochlerotatus sp. ♀, Habitus
(© Uwe Kallweit)


Abb. 2: Ochlerotatus cantans ♀, Kopf (von oben)
(© Uwe Kallweit)


Abb. 3: Stechrüssel von Ochlerotatus punctor
(© Uwe Kallweit)


Abb. 4: Ochlerotatus communis ♀, Kopf (von der Seite)
(© Uwe Kallweit)


Abb. 5: Ochlerotatus communis ♀, Rüsselspitze von oben
(© Uwe Kallweit)
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