Schwebfliegen (Syrphidae)

Diagnose

Zweiflügler. Vorderflügelgeäder mit Scheinader (Vena spuria), die nur bei Schwebfliegen vorkommt. Hinterflügel wie bei allen Diptera zu Schwingkölbchen umgebildet. 

Merkmale

Sexualdimorphismus. Die Geschlechter der Schwebfliegen lassen sich meist ohne großen Aufwand unterschieden. Bei den Weibchen sind die Augen immer mehr oder minder getrennt, bei den Männchen berühren sich die Augen oder liegen enger beieinander. Auch gibt es Arten, die sich geschlechterspezifisch in Färbung, Behaarung und Form unterscheiden.

Lebensweise

Blütenbesuch. Die adulten Tiere besuchen ein breites Blütenspektrum und tragen so zur Pflanzenbestäubung bei. Sie ernähren sich dabei von Nektar und Pollen, wobei sie meist einen plumperen und kürzeren Rüssel als beispielsweise Hautflügler haben. Daher werden Pflanzen mit offenen und scheibenförmigen Blüten oft bevorzugt. Besonders gern besucht werden verschiedene Doldenblütler, Hahnenfußgewächse, Korbblütler, Rosengewächse und eine Reihe von anderen Pflanzenfamilien.

Mimikry. Viele Schwebfliegenarten ähneln wehrhaften Hautflüglern, wie beispielsweise die Mistbiene (Eristalis tenax), um sich besser vor Feinden schützen zu können. Auch gibt es hummel- und wespenartige Schwebfliegen, wie zum Beispiel Volucella bombylans, die mit Körperbewegungen sogar das Stechen imitiert.

Larven. Die Lebensweisen der Larven sind artspezifisch sehr unterschiedlich und zeigen eine große Variabilität. Von den in Deutschland beschrieben Arten ernähren sich etwa 33 Prozent phytophag und etwa 40 Prozent zoophag. Die zoophagen Arten, die sich oft aphidophag ernähren, sind gemeinhin weniger spezialisiert als die phytophagen Arten. So minieren die Larven von Cheilosia fasciata nur in den Blättern von Allium ursinum und Allium victorialis. Die Larven von Episyrphus balteatus hingehen leben in Blattlauskolonien und ernähren sich von diesen, bei Nahrungsmangel auch von Blattwespenlarven (Symphyta). Die Larven weiterer Schwebfliegenarten ernähren sich saprophag und sie sind mit einem mehr oder weniger langen Atemrohr ausgestattet. Sie ernähren sich von organischem Material aus Sedimenten an Gewässerufern oder Pfützen. Einige Arten können selbst in extrem mit organischen Stoffen belasteten Flüssigkeiten, wie z. B. Gülle, leben. Zu ihnen gehört die Mistbiene (Eristalis tenax). Einige Arten ernähren sich von Säugetierkot, Schleimflüssen von Bäumen oder von Holzmulm in Alt- und Totholzhabitaten.

Bestandssituation

Aus Deutschland sind 463 Arten bekannt, von denen fünf als ausgestorben oder verschollen gelten, 126 Arten als gefährdet (Ssymank et al. 2011).
Aus Sachsen sind bislang 283 Arten nachgewiesen, davon stehen 132 Arten auf der Roten Liste des Freistaates (Pellmann & Scholz 1996).

Literatur

  • Barkemeyer, W. 1994: Untersuchung zum Vorkommen der Schwebfliegen in Niedersachsen und Bremen (Diptera: Syrphidae). – Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen, 31: 1–514.
  • Bartsch, H. 2009: Nationalnyckeln Tvåvingar: Blomflugor 1 (Diptera: Syrphidae: Syrphinae), 2 (Syrphidae: Eristalinae & Microdontinae). – ArtDatabanken, Sveriges lantbruksuniversitet, Uppsala. [enthält nicht alle deutschen Arten]
  • Bastian, O. 1986: Schwebfliegen (Syrphidae). – Die Neue Brehm-Bücherei 576. Wittenberg, 168 S.
  • Bothe, G. 1996: Schwebfliegen. – Deutscher Jugenschutzbund für Naturbeobachtungen (DJN), Hamburg. 123 S.
  • Kormann, K. 2002: Schwebfliegen und Blasenkopffliegen Mitteleuropas. – Fauna Verlag, Nottuln.
  • Pellmann, H. & A. Scholz 1996: Rote Liste Schwebfliegen. – In: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege 1996, 16 S.
  • Röder, G. 1990: Biologie der Schwebfliegen Deutschlands. (Diptera: Syrphidae). – Erich Bauer, Keltern-Weiler.
  • Rotheray, G. E. 1993: Colour Guide to Hoverfly Larvae. – Dipterist Digest 1993 (9).
  • Schmid, U. 1996: Auf gläsernen Schwingen. – Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Ser. C, 40: 1–80.
  • Speight, M.C.D. 2016: Species accounts of european Syrphidae (Diptera) 2016. Syrph the Net: The database of european Syrphidae (Diptera). Dublin: Syrph the Net publications.
  • Ssymank, A. 2001: Vegetation und blütenbesuchende Insekten in der Kulturlandschaft. Pflanzengesellschaften, Blühphänologie, Biotopbindung und Raumnutzung von Schwebfliegen (Diptera, Syrphidae) im Drachenfelser Ländchen sowie Methodenoptimierung und Landschaftsbewertung. – Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 64: 513+XIV S., 4 Faltbeilagen.
  • Ssymank A., D. Doczkal, K. Rennwald & F. Dziock 2011: Rote Liste und Gesamtartenliste der Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) Deutschlands. – In: M. Binot-Hafke, S. Balzer, N. Becker, H. Gruttke, H. Haupt, N. Hofbauer, G. Ludwig, G. Matzke-Hajek & M. Strauch: Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 13–83.
  • Stubbs, A. E. & S. J. Falk 1983: British hoverflies: an illustrated identification guide. – British Entomological and Natural History Society, London. 469 S.
  • Torp 1994: Danmarks svirrefluer (Diptera: Syrphidae). – Danmarks Dyreliv 6. – Apollo Books, Stenstrup. 490 S. [enthält nicht alle deutschen Arten]
  • van Veen, M. P. 2012: Hoverflies of Northwest Europe: Identification Keys to the Syrphidae. – KNNV Utrecht. 254 S. [Der Schlüssel ist gut bis zur Gattung, hat bei den Arten aber ein paar Fehler und enthält nicht alle deutschen Arten]

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Autor(-en): Matthias Nuß, Jennifer Wintergerst. Letzte Änderung am 10.02.2018
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